Richard van Schoor

Richard van Schoor wurde in Kapstadt, Südafrika geboren und schloss sein Studium an der dortigen Universität mit einem Master of Music ab. Er gewann zahlreiche Preise und Stipendien, u.a. das Ernest Oppenheimer Stipendium für ein Klavierstudium bei Orazio Frugoni in Florenz, sowie das Heinrich Neuhaus Stipendium Zürich, 2013 den Förderpreis der Deutschen Pfandbriefbank und 2018 und 2021 von der Bogliasco Foundation ein „Fellowship“ für Komposition.
Seit einigen Jahren gehört Richard van Schoor zu den am häufigsten auf deutschen Bühnen aufgeführten zeitgenössischen Komponisten: sein jüngstes Auftragswerk, ein „Verwandlungswerk“ über Meyerbeers L‘Africaine für das Staatstheater Halle, wurde aus dem Fond “Doppelpass” der Kulturstiftung des Bundes gefördert. Im März 2020 wurde die Oper Die Europäerin in Lübeck uraufgeführt. Es folgte kurz darauf eine Kammermusik Fassung dieses Werkes, die in Oktober 2020 ebenfalls in Lübeck zur Uraufführung kam. Das Stadttheater Gießen gab 2019 ein neues Werk, vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst gefördert, in Auftrag: Die Oper Alp Arslan erzählt, nach dem Libretto von Willem Bruls, die Liebesgeschichte des jungen Sultans Alp mit Loulou, dem Eunuchen seines Vaters, im von Kreuzfahrern besetzten syrischen Aleppo in der Zeit um das Jahr 1113.
Auch das weitere kompositorische Werk von Richard van Schoor ist außerordentlich vielseitig: Es enthält Auftragswerke für das Stuttgarter Kammerorchester 2011, ein Bühnenwerk für das Theater Gießen zum Festival Büchner International 2013, Reflux für Celli als Beitrag zum Fluxus-Symposion des Regisseurs Thomas Goerge an der Berliner Staatsoper im Schillertheater 2015, bei der Langen Nacht der Musik in München 2016 eine Komposition als Teil einer Installation des Künstlers Philipp Geist (basierend auf dem Auftragswerk Kronos & Kairos), im April 2017 für das Theater Trier ein Musiktheaterprojekt in Auseinandersetzung mit Wagners Ring.
Seine Kompositionen weisen oft nicht nur einen tief philosophisch-reflektiven Kern auf, sondern suchen auch bewusst die Auseinandersetzung mit der Zeitgeschichte: Dazu gehört etwa ein Auftragswerk von The St. Paul’s Trust in London, eine Messe über Texte von Dietrich Bonhoeffer. Eine Auftragskomposition der Ludwigsburger Schlossfestspiele, Koan für Orchester, Chor und Solisten, wurde im Juli 2010 uraufgeführt und vom Deutschlandfunk gesendet. Das Werk Oratorio, ebenfalls für die Ludwigsburger Schlossfestspiele entstanden, parallelisiert die Passion Christi mit dem fortwährenden Leid von Flüchtlingen, Opfern politischer Verfolgung und Vertriebenen durch die Geschichte. Kenge – hitotsu no kotae, 2013 für die KunstFestSpiele Herrenhausen-Hannover entstanden, komplettiert als Meditation über Vergänglichkeit und Erlösung in Auseinandersetzung mit Mozarts Requiem-Fragment diese Reihe. Richard van Schoor hat in jüngste Zeit auch Auftragswerke für die Aga Khan Stiftung (2024), den Chor des Bayerischen Rundfunks (2024) sowie die Gluckfestspiele geschrieben.
Als Pianist debütierte Richard van Schoor schon während seiner Studienzeit mit dem Klavierkonzert Nr.1 von Tschaikowsky, trat anschließend erfolgreich als Solist mit Orchestern in Südafrika und Europa auf und führte dabei Klavierkonzerte von Bach, Mozart, Beethoven, Chopin, Schumann, Mendelssohn, Grieg, Franck, Brahms, Prokofiev, Rachmaninoff, Schnittke, Martin und Gershwin auf. Als Solist, Liedbegleiter und Kammermusiker führten ihn Konzerte durch ganz Europa, nach Südafrika und in die USA. Unter anderem trat er beim Rheingau-Musik-Festival, den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern, den Schlossfestspielen Herrenchiemsee, den Ludwigsburger Schlossfestspielen und den Internationalen Musikfestspielen Luzern auf.
